Sonntag, 7. Juni 2009

Praktikum in der Schmiede

mal wieder ein Bericht der nicht aus dem Mittelalter stammt, aber irgendwie doch damit zu tun hat. Wie ihr wisst bin ich derzeit Darstellungsmäßig als Tagelöhner auf den Märkten unterwegs, recht einfach und anspruchslos, aber im Laufe der Zeit möchte man dann ja doch mal mehr. Immer wieder wurde hin und herüberlegt und derzeit gibt es zwei Favoriten, eine davon ist der Schmied, nicht für Waffen oder so, sondern kleine Gebrauchsgegenstände wie Essdorn, Gebrauchsmesser, Nägel und solche Kleinigkeiten. Da eine solche Ausstattung nicht grade einfach zusammen zu tragen und auch nicht wirklich preiswert ist sollte man vorher probieren ob einem so was wirklich liegt, also ab in eine Schmiede und dort was arbeiten - leichter gesagt als getan, Schmieden sind nun mal nicht wirklich häufig in der Neuzeit und mitarbeiten ist da auch nicht so einfach. Nach längeren Rumfragen und Suchen habe ich über die Lehrwerkstatt in unserer Firma einen Kontakt zu einer Lehrwerkstatt in Hamm bekommen die noch eine Schmiede hat und mir einen Tag Praktikum ermöglicht. Und dieser Tag war am


Freitag, 05.06.2009-06-07


etwas früher als an einem normalen Arbeitstag geht der Wecker, ich hab Urlaub und muss länger als sonst zur Arbeit fahren. Schnell frisch machen, die Arbeitsschuhe und Arbeitsjacke einpacken und mit dem Zug nach Hamm fahren und in Ruhe in das Ausbildungszentrum gehen. Pünktlich gegen 7 Uhr bin ich da und stell mich beim Ausbildungsleiter und dem Ausbilder vor. Die Schmiede ist in dem Raum wo auch die Schweißausbildung läuft. Das Schmieden gehört dort derzeit nicht zur Ausbildung und die Esse wird nur für mich angefeuert, schon erstaunlich wie schnell das Schmiedefeuer glüht.

Zum Anfang sollte ich nur mal eben schnell dem Ende von einem 15 mm Vierkanteisen eine Spitze verpassen, eine typische Aufgabe um das Gefühl für Material, Hitze und Werkzeug zu bekommen.

Jetzt weiss ich auch woher das vierkant-achtkant-rund herkommt, tatsächlich geht man nicht direkt auf rund um Überlappungskanten zu vermeiden.

Das ganze hat auch leidlich funktioniert und ich konnte mich anderen Aufgaben zuwenden, ich hatte freie Hand alles zu probieren und konnte mich mit Fragen an den Ausbilder wenden.

Aus einem Vierkantstab fertigte ich einen Essdorn, das Material wurde erst dünner geschmiedet, mit der Spitze versehen, eine Öse am Ende angebracht und abschließend noch tordiert. Ich muss sagen für das erste Stück nicht schlecht geworden, ist zwar nicht wirklich toll, aber ich hab verschiedene Techniken probiert und vor allem, es ist selbst gemacht.

Völlig eigenständig und ohne Hilfe hab ich mich dann an einem passenden Gebrauchsmesser versucht. Und leider drückte da schon die Zeit, es ging rasend schnell auf den Feierabend zu.

Mit schmerzenden Muskeln, Blasen an den Händen und drei fertigen Werkstücken hab ich dann den Praktikumstag zu Ende gebracht. Ich muss sagen es war ein tolles Erlebnis, auf diesem Weg noch mal ein herzliches Dankeschön an alle die das ermöglicht haben.



Auf jedem Fall habe ich für mich festgestellt die Arbeit mit Feuer, Hitze, glühendem Stahl und Hammer ist mein Ding, auch wenn mir danach die Knochen weh taten, ich eine Flasche Wasser in einem Zug leerte und aussah wie grade vom Pütt gekommen, ich werde Schmied!